in der Neustädter Marienkirche
vom 3. bis 23. Februar 2020

Über 10.000 Besuche bei erster Bielefelder Vesperkirche

Zahlreiche Begegnungen bei Tischgemeinschaften – satt an Leib und Seele – viel mehr Besucher als erwartet

Bielefeld. Die erste Bielefelder Vesperkirche ist beendet. Drei Wochen lang, vom 2. bis 23. Februar 2020, hatte die Neustädter Kirche Ihre Türen weit geöffnet. Täglich kamen zwischen 11.30 und 14 Uhr bis zu 580 Gäste, um an schön gedeckten Tischen eine kostenlose Mahlzeit zu erhalten und mit ihnen bislang unbekannten Menschen ins Gespräch zu kommen. Genau 9.580 Mahlzeiten – zur Auswahl standen jeweils zwei Menüs – wurden von den täglich bis zu 40 freiwilligen Mitarbeitern serviert. Zudem kamen über 1.000 Besucher zu den zahlreichen kulturellen Veranstaltungen der Vesperkirche.

Bereits nach drei Tagen der Vesperkirche, so Marc Korbmacher, Geschäftsführer der Diakonie für Bielefeld und Projektleiter der Vesperkirche, wurde die prognostizierte maximale Zahl der Besucher erreicht. „Von da an kamen ständig mehr Gäste, was uns natürlich gefreut hat.“ So musste statt der geplanten täglich 350 Essen auf mehr als 450 Menüs erhöht und Abläufe nachjustiert werden, um möglichst allen Besuchern eine Mahlzeit zu ermöglichen und den einladenden Charakter der Vesperkirche beizubehalten.

Neben den beeindruckenden Zahlen stand die Begegnung von ganz unterschiedlichen Menschen bei Tisch im Mittelpunkt der Vesperkirche. Christian Bald, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises und Träger der Vesperkirche: „Ich war mehrfach an Tischen mit mir bisher unbekannten Menschen zusammen, und jedes Mal haben wir tolle Gespräche und trotz aller Unterschiedlichkeit ein herzliches Miteinander erlebt.“ Die die kurzen Mittagsimpulse jeweils um 13 Uhr mit Wort und Orgelmusik unterstrichen dabei den spirituellen Raum und einladenden Ort der Vesperkirche

Die Erfahrung von gelebter Gemeinschaft nahm auch Dr. Christel Weber, Gemeindepfarrerin in Neustadt Marien, in ihrem Mittagsimpuls am Tag nach den rechtsextremistischen Morden von Hanau auf: „Die Morde von Hanau sind auch ein Anschlag mitten ins Herz unserer Vesperkirche. Gegen allen Hass und Gewalt begegnen wir uns hier mit großem Respekt und setzen so ein kleines, aber sichtbares Zeichen des Miteinanders und würdevoller Begegnung untereinander, ganz gleich welcher Hautfarbe, Religion oder sozialer Schicht.“

„Euch schickt der Liebe Gott“, so Sozialpfarrer Matthias Blomeier, hätte ihm ein Besucher bei der Begrüßung an der Kirchentür zugerufen. Und damit bedauert, dass er ein Jahr lang auf die nächste Vesperkirche warten müsse. Blomeier, der wie viele andere des Organisationsteams fast täglich in der Vesperkirche war, berichtet von vielen positiven Rückmeldungen der Gäste: „Mache sagten mir, sie hätten durch die Vesperkirche wieder einen Zugang zu Kirche und dem christlichen Glauben gefunden. Mehrfach haben mir Bielefelder mit Bielefeld-Pass, der sie als bedürftig ausweist, bei der Verabschiedung Kleingeld in die Hand gedrückt mit den Worten: ‚Viel habe ich nicht zu geben, aber etwas möchte ich zu den Spenden auch beitragen.‘"

Auch das Kulturprogramm der Vesperkirche, das Pfarrer Bertold Becker von der Evangelisch-Reformierte Gemeinde vorbereitet hatte, wurde von den Gästen sehr gut angenommen: „Ob Aktionskunst oder Porträtfotografie während der Samstagsvespern oder Kinofilm und Diskussionsabend bei den Abendvespern, immer haben sich viele ganz unterschiedliche Menschen daran beteiligt und sind mit neuen Erfahrungen bereichert gegangen. Mein Eindruck ist, dass wir hier Vesperkirche im ganzheitlichen Sinne als ‚satt werden‘ erlebt haben.“

Bereits während der Vesperkirche kamen viele Besucher auf die Organisatoren zu, um sich für die nächste Vesperkirche als freiwillige Helfer zu melden. Ob sie wieder stattfindet, wird in den kommenden Wochen ausführlich ausgewertet, so Marc Korbmacher. Denn klar ist, dass dies ohne zahleiche Sponsoren und Spender nicht möglich ist. So die Firma Steinkrüger, die täglich frisches Obst und Logistik zur Verfügung stellte, dazu kamen kostenfreie Getränke der Firma Carolinen oder von der Bäckerei Pollmeier und Lechtermann der tägliche Nachtisch; die Stadtwerke Bielefeld und moBiel kamen für Energiekosten und kostenlose Tickets für Freiwillige auf oder die Firma Nattkämper und Brummel, die den Fußboden der Kirche komplett ausgelegt hatten oder auch die Firma Borgstedt, die jeden Tag das Reinigungspersonal stellte. Nicht zuletzt ist an dieser Stelle die ökumenische Dimension der Vesperkirche zu nennen, denn die Mitglieder des katholischen Kolpingwerkes sorgten jeden Tag dafür, dass es immer frischen Kaffee und Tee gab, der von vielen Besuchern gerne in der Marienkapelle bei der Lektüre einer der beiden Bielefelder Tageszeitungen getrunken wurde. Alle Unterstützer der Vesperkirche finden sich unter Rubrik „Spenden“ auf www.vesperkirche-bielefeld.de

Trotz zahlreicher Unterstützer, ohne die im Vorfeld der Vesperkirche nicht geplant hätte werden können, so Marc Korbmacher, rechnet er derzeit mit einer Unterdeckung von 25 bis 30-tausend Euro. „Uns ist klar, dass wir die Vesperkirche dauerhaft nur dann durchführen können, wenn die gesamten Kosten von vermutlich knapp 100.000 Euro gedeckt sind.“ An Freiwilligen, so die Einschätzung des Organisationsteams um Pfarrer i.R. Ulrich Wolf-Barnett, wird es vermutlich nicht mangeln: „Fast durchweg kamen bei mir die Rückmeldungen an, dass sie gerne noch öfter mitgeholfen hätten und es tat uns schon ein wenig Leid, so oft absagen zu müssen.“ So bleibt zu hoffen, dass die Bielefelder Vesperkirche auch künftig stattfinden wird. Am Geld allein sollte es hoffentlich nicht scheitern.

50 "Was macht satt?" Ein Film von Asad Gholami zur Vesperkirche Bielefeld vom 3. bis 23. Februar 2020. Jeden Tag gab es für die Besucher eine kostenfreie Mahlzeit in Tischgemeinschaften. Und mehr.

SPENDEN

Ev. Kirchenkreis Bielefeld
DE42 3506 0190 2006 6990 68

Stichwort:
"W412C Vesperkirche“